Warum "Wie schnell hast du Schwedisch gelernt?" die falsche Frage ist

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Warum „Wie schnell hast du Schwedisch gelernt?“ die falsche Frage ist, und wie du dein Schwedisch-Ziel in 3 Schritten erreichst

Es ist immer wieder das Gleiche: Nach ein paar Unterrichtsstunden mit leichten Hörtexten aus dem Lehrbuch versuchen wir uns an kurzen schwedischen Nachrichten. Verwirrte bis entsetzte Gesichter bei den TeilnehmerInnen.

„Was haben die gesagt?“

„Ich versteh kein Wort!“

„Ist das richtiges Schwedisch?“

„Das lern ich nie!“

Diese Reaktionen sind ganz normal. Gleich gefolgt von der bangen Frage: „Wie lange hat es gedauert, bis du das verstanden hast?“

 

Klar, wenn du eine neue Sprache lernst, willst du wissen, wie lang es dauert. Zeit ist Geld, wissen wir alle. Und  wenn du nach Schweden auswandern willst, möchtest du dich nicht erst in zehn Jahren mit den neuen Nachbarn unterhalten können.

 

Und das ist genau des Pudels Kern. Es geht um dich! Du willst Schwedisch lernen.

Die Frage, wie fix deine Schwedischlehrerin die Sprache gelernt hat, bringt dich dabei nicht weiter. Denn sie hat wahrscheinlich unter ganz anderen Umständen und Voraussetzungen gelernt als du.

Wenn die Antwort wäre: „Nach zwei Monaten habe ich das Allermeiste verstanden“, stresst dich das vermutlich. Im schlimmsten Fall fühlst du dich unheimlich dumm und untalentiert, wenn du nach zwei Monaten die Nachrichten immer noch nicht verstehst.

 

Keine Sorge, die wenigsten Menschen sind Sprachwunder!

Das musst du auch nicht sein, um in überschaubarer Zeit Schwedisch zu lernen. Besonders, wenn du Deutsch als Muttersprache hast und zusätzlich vielleicht halbwegs gut Englisch sprichst. Schwedisch gehört zur gleichen Sprachfamilie wie Deutsch und Englisch, das heißt, du wirst dir einige Wörter leicht erschließen können. (Manche Wörter sind sogar gleich. Cool, oder?)

Außerdem ist die schwedische Grammatik übersichtlicher als die Deutsche. Das macht es für dich beim Lernen nochmal einfacher.

Aber wie kannst du das Projekt „Schwedisch-Lernen“ erfolgreich meistern?

Die folgenden 3 Schritte helfen dir, deinem Ziel näherzukommen.

 

  1. Was ist mein Ziel?

Diese Frage solltest du dir zuerst stellen, denn sie bestimmt, in welche Richtung du idealerweise läufst.

Zum Beispiel: Willst du in Schweden leben und arbeiten? Dann sind Schwedischkenntnisse unabdingbar.

Dieses Ziel ist toll – allerdings noch ein bisschen groß. Um strukturiert anzufangen, legst du dir am besten einen Plan an, in dem du dein Ziel in Einzelschritte aufteilst.

Hast du deine Koffer bereits gepackt und morgen geht die Fähre nach Schweden? – Dann können wir dir nur viel Glück beim Sprung ins kalte Wasser wünschen.

Wenn du noch mindestens vier Monate Zeit hast, bevor du auswanderst, ist die Chance groß, dass du gut vorbereitet in dein neues Leben in Schweden startest.

Frage dich (oder auch uns) außerdem, wie gut deine Sprachkenntnisse sein müssen. Bist du im medizinischen Bereich tätig? Dann musst du tatsächlich schon sehr gut Schwedisch können (C1-Niveau des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens).

Möchtest du im Handwerk oder als LKW-FahrerIn arbeiten, reichen zumindest zu Beginn auch fortgeschrittene Kenntnisse (z.B. B1-Niveau).

Hast du dein Ziel formuliert? Dann lautet die nächste Frage:

 

  1. Wie willst du lernen?

Klingt banal? Oder du denkst, du hättest keine Wahl?

Wenn es darum geht, dass du lernen musst, hast du recht (es sei denn, du bist ein Sprachwunder – aber das hatten wir ja schon …)

Die Entscheidung, wie du lernen willst, ist allerdings wichtig für deinen Lernerfolg. Nicht alle kommen mit jedem Format klar. Es gibt Menschen, denen es reicht, ein paar Vokabelkärtchen zu schreiben und einmal die Standardgrammatik zu scannen – und dann können sie Französisch. Klingt traumhaft, würden wir auch gern können.

Für alle, denen das nicht reicht, gibt es trotzdem noch genügend Wege, eine Sprache zu lernen.

Manche Leute gehen es gern in Ruhe an und tasten sich ein- bis zweimal pro Woche an die schwedische Sprache heran. Anderthalb Stunden pro Abend sind überschaubar und lassen sich oft gut in den Alltag integrieren. Mit einer Handvoll Gleichgesinnter macht es im Kurs doppelt so viel Spaß.

Wenn du schon genau weißt, dass du ein hohes Sprachniveau erreichen willst (oder musst) und du dich ganz auf das Lernen konzentrieren kannst, ist der Intensivkurs (oder Teilzeitintensivkurs) genau das richtige für dich. In kleiner Runde bekommst du jeden Tag sechs Stunden Unterricht – das ist gerade am Anfang sehr viel Input und nicht zu unterschätzen. Dafür bist du nach vier Monaten fit für Schweden (und den schwedischen Arbeitsmarkt).

Du möchtest lieber unabhängig von einer Gruppe und festgelegten Zeiten lernen? Auch das ist legitim. Es ist dein Weg, den du individuell gestalten kannst. Ein Einzeltraining hat auch den Vorteil, dass du in deinem Tempo lernen kannst und nur auf deine Bedürfnisse eingegangen wird.

Du siehst: Viele Wege führen nach Schweden. Du darfst dir einen aussuchen.

Wenn du dich entschieden hast, wie du Schwedisch lernen möchtest, kommt der wichtigste Schritt.

 

  1. Umgib dich mit Schwedisch!

Backen lernt man nicht durch Kuchenessen.

Und auch wenn Fika und Kuchen jeder Art ein wesentlicher Bestandteil der schwedischen Kultur sind, wirst du Schwedisch nicht allein deshalb lernen, weil du einen Kurs gebucht hast.

Das ist nur ein wichtiger Schritt.

Jetzt musst du weiterlaufen auf deinem Schwedisch-Weg. Heißt: Nimm regelmäßig am Kurs teil – nicht nur physisch, sondern mach auch mit.

Okay, sagst du, das ist ja logisch. Schließlich hast du Geld für die Teilnahme bezahlt. Prima Einstellung!

Wenn du wirklich erfolgreich sein willst, endet das Schwedischlernen aber nicht mit dem Zoom-Meeting. Zwischen zwei Kursabenden ist genug Zeit, um das zu verdrängen, was du in anderthalb Stunden gelernt hast. – Oder, um es zu vertiefen. Und das ist ja das, was du willst, oder?

Also, lass schwedisches Radio laufen. Auch wenn du zu Beginn noch nicht alles verstehen wirst, gewöhnt sich dein Ohr an den Klang der Sprache. Schau dir schwedische Serien mit Untertitel an – Streamingdiensten und Mediatheken sei Dank, haben wir heute ganz andere Möglichkeiten als noch vor zwanzig Jahren. Lies ein Buch oder kurze Zeitungsartikel auf leichtem Schwedisch.

Solltest du schon in Schweden sein, hast du die Superchance: Geh raus und trau dich!

Ja, du wirst Fehler machen. Ja, die Schweden werden höflich ins Englische wechseln. Und ja, du wirst Wörter hören, die du in keinem Kurs gelernt hast. Bleib hartnäckig. Sprich Schwedisch!

 

Du musst kein Sprachgenie sein, um gut Schwedisch zu lernen.

Du kannst es schaffen – aber schau dabei auf dich. Deine Ziele, dein Weg!

Und wenn du in den schwedischen Nachrichten nicht alles verstehst, sag nicht: „Menno, Anneliese konnte das schon nach zwei Monaten!“

 

Frag dich lieber: Wie viel Zeit kann und will ich investieren, um mein Zielniveau zu erreichen?

 

(Und ein kleiner Spoiler zum Schluss: Selbst wenn du mit C1-Zertifikat in Schweden ankommst, gibt es noch viel zu lernen. Sprache verändert sich …)

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